"Stätte der Erinnerungen"
Installationen von Jacques Kaufmann



Die Bliesmühle,
Museum für Steingut-Technik
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Fremdenverkehrsamt
Saargemünd
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    Garten der Bliesmühle – Museum für Steinguttechnik Saargemünd
    125, avenue de la Blies – F-57200 Saargemünd

    15. Juni – 31. Oktober 2001

    Öffnungszeiten : täglich von 10.00 – 20.00 Uhr
    Eintritt und Parkplatz kostenlos
    Weitere Auskünfte:
    Tel. : +33 3 87 98 30 50 - Fax : +33 3 87 98 37 28

« In meinen derzeitigen Arbeiten beschäftige ich mich mit der Entstehung von Form. Ich gehe davon aus, dass die gesamte Energie zunächst intuitiv im Material besteht, das dann bearbeitet wird und sich mit und mit strukturiert. Das macht den Entstehungsprozess des Werkes aus. Deshalb sind meine Techniken einfach und direkt und entwickeln sich aus dem Material selbst. Die Form soll aus der Erfahrung einer konkreten Beziehung entstehen! Ich finde es faszinierend, von objektiven Realitäten auszugehen, die augenscheinlich wertlos sind und fast nicht existent scheinen, um dann eine neue Vorstellungswelt aus Erde und Ziegenl zu schaffen und zu spüren, dass ich es bin, der das kreiert und der sich dadurch selbst neu konstituiert. Für mich entsteht die Vorstellungskraft aus dem Material, aus seinen spezifischen Eigenschaften und seiner poetischen Kraft. »

Auszug aus einem Gespräch mit Alain Macaire
Keramik im Dialog. Musée d’Art Contemporain – Dünkirchen 1997





Das Gelände der Bliesmühle:
eine Stätte der «Erinnerungen»

Der Garten der Bliesmühle befindet sich auf dem ehemaligen Gelände der Steingutmanufaktur von Saargemünd. Das Gelände, das lange Zeit brachlag, erinnert in vielfacher Hinsicht an die Zeit der Keramikverarbeitung in dieser Stadt. Hier wurde der Ton, erste Phase der Steingutverarbeitung, hergestellt. Die Arbeit auf dem Gelände war oftmals sehr hart, man arbeitete unter widrigen Wetterbedingungen, in Feuchtigkeit und Schlamm. Die Arbeiter transportierten die Rohmaterialien, schoben kleine Wagons, zerkleinerten Erdklumpen, mahlten Mineralien zur Herstellung der Tonmasse und bedienten die Becken zur Filterung des flüssigen Tons. Die Arbeit war körperlich sehr hart. 150 Jahre lang wurde diese Arbeit von Generation an Generation weitergegeben, bis man die Produktion einstellte, die Maschinen still standen und die Natur wieder von dem Gelände Besitz ergriff.

30 Jahre nach der Stilllegung des Geländes entsteht eine Stätte der Erinnerungen
Die Wackenmühle ist heute ein Museum, in dem die Besucher die Bearbeitungsprozesse der Steingutherstellung nachvollziehen können und in dem die ehemaligen Arbeiter zu Wort kommen.

Aufgabe des Museums ist neben der Erhaltung und öffentlichen Präsentation des Kulturgutes für ein breites Publikum, auch die Demonstration seiner Funktionsweise. Mit diesem Ziel finden jedes Jahr im Sommer zahlreiche Veranstaltungen rund um das Thema Keramik sowie Vorführungen im Freilichtamphitheater statt, wo noch vor einem Jahrhundert die Klärbecken für den flüssigen Ton standen. Darüber hinaus werden draußen im Ruinengarten regelmäßig Ausstellungen gezeigt. An den Wänden der ehemaligen Werkstätten bietet diesen Sommer eine Ausstellung historischer Fotografien Einblick in die Architektur der Manufaktur im 19. Jahrhundert („Industrielandschaften“ bis zum 31. Oktober 2001).

IWeiterhin präsentiert das Museum ein breites Spektrum zeitgenössischer Keramik, das die Vielfalt und Kreativität in der Tradition dieser alten Handwerkskunst fortsetzt. Andenken und Neuschöpfung bilden die beiden Achsen der kulturellen Aktivitäten des Geländes. Im Rahmen dieses Anspruchs bat die Stadt Saargemünd vor zwei Jahren den Keramikkünstler Jacques Kaufmann, den Ort künstlerisch zu gestalten. Der Künstler zeigte sich von der Idee sofort begeistert.

Die sechs Installationen zum Thema, "Stätte der Erinnerungen" gedenken vor dem Hintergrund der hinterlassenen Spuren dem Leben der Menschen, die dort tätig waren. Durch Zeichen und Verweise erinnert der Künstler an Vergangenes und konstruiert aus Rohmaterialien letzte Zeitzeugen der aktiven Produktion.




Die 6 Installationen:
Eingang mit Kieselsteinen
Erstaunt betrachtet man die aufgehäuften Kieselsteine im Eingangsbereich. Man assoziiert Erosion, Rohmaterialien, Ton und Glasur. Die geometrische, zylinderartige Form der Installation veranschaulicht die Bewegung der Steine beim Zermahlen.

Scherbenhaufen im Wald
Im Wald empfängt den Besucher ein bewegendes Relief aus einer Unzahl von Tonscherben, die teilweise mit Pflanzen bedeckt sind und aus denen Baumwurzeln ragen. Diese Installation spielt auf die Besonderheiten des Bodens an und lässt durch die leichte, filigrane Aufschichtung der Tonscherben gleichzeitig einen Eindruck der Leichtigkeit der Gedanken, der Erinnerungen, aufkommen.

Diese Mauer - Membran aus Scherben – erlaubt einem Schleier vergleichbar, den Blick vorsichtig schweifen zu lassen. Durch die vertikale Aufschichtung der Scherben vollzieht sich eine Verbindung zu deren Ursprung im Boden und es wird deutlich, wie die Natur von dem scheinbar sterilen Brachland wieder Besitz ergreift.
Friedhof der Mahlsteine
Entlang des Weges begegnet man hoch aufgetürmten Mahlsteinen, die das Auge des Besuchers ähnlich in Bann ziehen wie die Kadaver auf einem Elefantenfriedhof. Trotzdem sie zweckentfremdet herumliegen, wohnt ihnen die Kraft und der Glanz vergangener Tage inne. Ihrer eigentlichen Aufgabe entledigt, strahlt ihre innerste Energie im Angesicht von Material und der Erinnerung. Das Glas fungiert als vermittelndes Element und verdeutlicht die doppelschichtige Poetik der plastischen Kraft, die diesen Materialien eigen ist.

Kieselreihungen
Der Weg führt den Besucher zu einer eigentümlichen Entdeckung. Einem unaufmerksamen Spaziergänger würden die Eigenheiten des Bodens im Unterholz entgehen: alles hier Entstandene, wuchs aus den Kieseln und man spürt beim Kontakt mit dem Boden, mit welcher Kraft die Vegetation den Boden zurückerobert. Wenn die Natur sogenannte Kulturstätten – wie man auch in Angkor sehen kann – zurückgewinnt, ist der Ausgang des Konfliktes eindeutig. Doch hier entsteht eine komplexere Situation, weil die Vegetation die verwaisten Materialien und vergessenen Kiesel mit einbezieht. Aus dem sich zersetzenden Boden als wildem Substrat von natürlichem Material und Industrieabfall erhebt sich eine Reihe mit Kieselsteinen.

Klärbecken
Zur Zeit überlagern drei Vegetationsschichten die ursprüngliche Form der Klärbecken, die ehemals zur Schlämmung der Tonerden diente. Diese Verwandlung wird noch unterstrichen durch die Größe der Elemente.
Zentraler Hof
Ähnlich wie Spielhalle, Ruheraum oder Foyer scheint dieser Hof auf etwas zu warten. Wie waren das Lachen und Weinen, die Worte und das Schweigen, die Hoffnungen und Niederlagen, die sich hier abgespielt haben? Die Installation versucht auf diese Fragestellung aus dem Vakuum der heutigen Unkenntnis mit einer Zierinschrift zu antworten, die früher auf den Steingutprodukten stand. Das Dekor gewinnt seine Freiheit zurück, entledigt sich seines ursprünglichen Zwecks und wird zu neuem Licht und Leben erweckt.
Materialien: Ziegel und Bepflanzung
Nicht realisiert: der Schornstein
Bilder vom Anfang des Jahrhunderts zeugen von der Eleganz dieses Schornsteins. Verkürzt und insofern statisch stabilisiert, scheint er an seiner Amputation zu leiden. Zum einen Markenzeichen der Manufaktur und des ganzen Geländes, fungiert der Schornstein andererseits als Symbol, dessen Wirkung über den eigentlichen Ort hinausgeht. Eine filigrane Metallstruktur im Himmel sollte diesem Element seine ursprüngliche Bestimmung wiedergeben: symbolischer Anhaltspunkt für die Strahlkraft einer ganzen Region.

Auf das Projekt wurde aus technischen und aus Sicherheitsgründen verzichtet (Windstärke und Instabilität des Materials).
Wenn man genau hinschaut, kann man sehen, wie sich der Schornstein ab dem 5. Ring leicht neigt. Insofern wäre diese Installation zu gefährlich gewesen.





Das Konzept von Jacques Kaufmann

Verlust • Erinnerung • Wiederbelebung • Sichtbarmachung

Es handelt sich um einen Spaziergang entlang charakteristischer Punkte des Geländes, die wenig auffällig scheinen, jedoch durch den künstlerischen Eingriff für den Besucher hervorgehoben werden.


Kiesel am Eingang: Kreisbewegung der Rohmasse, Zermahlung
Scherbenwald:
Erinnerung, industrielle Fertigung und Kraft der Vegetation
Mahlsteine:
Transformation des Materials
Kieselwald:
horizontale und vertikale Anreihungen von Steinen, vom Passiven zum Aktiven
Klärbecken:
Sichtbarmachung der Funktion
Garten:
Blumendekor, vom dekorierten zum realen Raum
Schornstein:
abwesendes Element

Die Identität und die diversen Funktionen des Ortes sollen durch Brechungen und Kontraste wiederbelebt werden:
Präsentation: horizontal - vertical
Material: Steine, Kiesel, Scherben, Ziegel, Glas
Formen: Anhäufungen, Geometrie
Maßstab: Dekor - Raumerfassung
Der Zuschauer wird nicht mit einer historisierenden oder nostalgischen Perspektive konfrontiert, sondern erfährt ein neues, poetisches Spannungsfeld zwischen Gegenwart und Vergangenheit des Geländes.


Pädagogische Inhalte

Die Museen der Stadt Saargemünd, die ihre Aufgabe auch in der Vermittlung pädagogischer Inhalte sehen, haben die Fachoberschule Henri Nominé in Saargemünd gebeten, zu der Realisierung einiger Installationen von Jacques Kaufmann einen Beitrag zu leisten.

Die Schüler des ersten und zweiten Jahres zum Abschluss des B.E.P. M.S.M.S.A. (Wartung automatischer mechanischer Apparate) der Fachoberschule haben die drei folgenden Arbeiten realisiert:
1. Aufgehäufte Kieselsteine
2. Scherben im Wald
3. Kieselreihungen

Diese Arbeiten stehen in direktem Zusammenhang mit ihrem Lehrplan, denn im Rahmen des Fachs „Herstellung“ des Curriculums zum BEP (Wartung automatischer mechanischer Apparate) werden von den Schülern folgende Kompetenzen erwartet:
- Herstellung neuer Arbeiten;
- Bearbeitung von Ersatzteilen;
- Umbau oder Instandsetzung von Maschinen oder Teilen von Maschinen;
- Zusammensetzung von Teilen unter Benutzung diverser Techniken (Zerlegen, Biegen, Ausformung, Lochung, Gewindebohrung, Gewindeschneidung, Versplinten, Schweißen...)

Die Herstellung der Arbeiten erlaubte eine konkrete Anwendung der im Unterricht gelernten Techniken von der Konzeption bis zur praktischen Umsetzung (Grob- und Feinzeichnung, logische Zusammenhänge, Montage auf dem Gelände). Der Enthusiasmus und die Energie der Schüler wurden mit der Freude und dem Stolz vor dem vollendeten Werk belohnt, eine ideale Vorbereitung für ihre zukünftige Arbeit... ein großes Dankeschön gilt allen Schülern und ihren Lehrern.















Ausstellung "Stätte der Erinnerungen"
Installationen von Jacques Kaufmann


Ruinengarten der Bliesmühle
125, avenue de la Blies – 57200 Saargemünd

15. Juni – 31. Oktober 2001

täglich geöffnet von 10.00 – 20.00 Uhr
Eintritt und Parkplatz kostenlos
Weitere Auskünfte:
Tel. : +33.3.87.98.30.50 - Fax : +33.3.87.98.37.28
sarreguemines-museum@wanadoo.fr



 

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 © Sarreguemines Museum — Montag, 23. Juli 2001