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AUSSTELLUNG : Mécanofolie
Vom 18. Februar 24. April 2000
Im Saargemünder Steingutmuseum
Wintergarten von Paul de Geiger
17, rue Poincaré - 57200 Sarreguemines - Tel : +33 3 87 98 93 50
Öffnungszeiten: 10 12 Uhr und 14 18 Uhr (Täglich außer Dienstag)
Im Saargemünder Museum für Steingut-Technik
Moulin de la Blies
125, avenue de la Blies - 57200 Sarreguemines -
Tél : 03 87 98 93 50
Öffnungszeiten:
10 12 Uhr und 14 18 Uhr (Täglich außer Dienstag)
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Foto : J-P Eschmann
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Mécanofolie in Saargemünd
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Der bekannte zeitgenössische Keramikkünstler Jean Fontaine ist wieder in Saargemünd. Nach Terres du Fantastique und Zoofolie zeigt er vom 18. Februar bis 24. April 2000 seine neue Wanderausstellung Mécanofolie.
Die Welt des Bildhauers ist voller klingender Namen wie Métaphoreuse, Cyclotron oder Viole de gambettes. In unauflösbarer Verflechtung von Körpern, Tieren und grob-mechanischen Teilen verbinden diese Hirngespinste humorvoll Schweiß und Wagenschmiere, Leben und Maschinerie. Diese außergewöhnlichen Kreaturen enthüllen uns ein wundersames Universum, eine wahre Mythologie der Zukunft.
Der Künstler bietet uns die traumhafte Sicht einer Welt, in der die Grenzen zwischen dem Menschen und seiner Schöpfung in einem Maße miteinander verschmelzen, daß deren Definition ihre eigenen Dimensionen sprengt.
Dieser Keramik-Chirurg geht häufig von Gußformen mechanischer Teile aus (Bolzen, Bohrwinden, Pleuelstangen...), denen er seine eigenen, vom menschlichen Körper abgeleiteten Formen hinzufügt. Dieser Eisenwarenladen fügt sich zu erstaunlichen menschenähnlichen Wesen, auch wenn es nur die Maschine ist, die atmet.
Die menschliche Eisenwarenhandlung taucht genau so vor dem Auge des Betrachters auf wie die Welt des Kapitän Nemo in den Träumen von Jules Vernes.
Nach Saargemünd wird die Ausstellung außerhalb der französischen Grenzen in Manchester (England) gezeigt.
Foto : J-P Eschmann
Ausstellung Mécanofolie
Steingutmuseum und Saargemünder Museum für Steingut-Technik
Und in der ganzen Stadt...
Vom 18. Februar bis zum 24. April 2000
Täglich geöffnet bis auf Dienstag von 10 12 Uhr und von 14 18 Uhr
Der Besuch der Ausstellung ist im Eintrittspreis der Museen enthalten.
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Photo : J-P Eschmann
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Mécanofolie
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Mechanik - das ist Vernunft in Bewegung. Wahnsinn auch das ist bewegte Vernunft.
Doch die Mechanik ist präzise, klar effizient und geschmiert. So wie der Wahnsinn laut ist, konfus, sinnlos und überdreht. Die Mechanik, das sind Eisen, Räderwerk, Riemen und Kolben. Der Wahnsinn jedoch ist menschlich, er besteht aus Leidenschaft, Nervensträngen und Ängsten.
Wenn man wahnsinnig ist, dann spinnt man, entgleist, ist enthemmt, knallt durch, die Sicherung springt raus und man kriegt eine gewischt !
Die Mechanik dagegen ist kalt, stringent und objektiv sie liebt die Elektrizität. Die Mechanik funktioniert, weil die Intelligenz es möglich macht, feinste Maschinen zu entwickeln und auszutüfteln. Der Wahnsinn entwickelt sich, wenn das Gehirn aufweicht und man den Kopf verliert.
Der Bildhauer Jean Fontaine legt den Finger auf das pervertierte Räderwerk, in dem Vernunft und Wahnsinn verschmelzen. Der menschliche Körper ist ein Skelett aus Knochen, Muskeln, Nerven und dem Gehirn, das mit einer der Mechanik vergleichbaren Logik funktioniert. Zuweilen ist es nötig, diesen Körper zur Ader zu lassen, Nähte zu schließen, in ihn hineinzustechen, Infusionen zu legen und Teile einzugipsen. Jean Fontaine führt Organverpflanzungen durch. Er nimmt hier was weg, um dort etwas zu ersetzen. Als Keramik-Chirurg transplantiert er Räderwerke Ventilklappen, Klinken, Kondensatoren, Schwinghebel, Zylinder um sie einzufügen, anzupassen, greifbar zu machen, zum Teufel zu jagen, um sie mit Teilen des menschlichen Körpers zu paaren (oder gemäß des Marquis de Sade zu gamahucher). Kraft dieses Koitus werden Werke gezeugt, die geschmiert das Licht der Welt erblicken und in schönster, dieselgetränkter Schwärze glänzen.
Diesen Zwitterwesen Mechanobizzarerien, Wahnsinnsmaschinen, Bewegungsapparaten liegt eine tiefgreifende, rationale innere Logik zugrunde. Sie könnte funktionieren. In jedem Fall setzt sie uns in Bewegung. Durch sein Gezauber läßt der Keramiker Fontaine seine Trompe-loeil hervorquellen. Er spielt mit Formen wie andere mit Worten. Er läßt es sich nicht nehmen, die Titel seiner Objekte zu kreieren, um jedem noch so kleinen Stück seine Logik zu geben. Denn bei Fontaine kommt man zu dem Schluß, daß Vernunft Absurdität erzeuge.

Foto : J-P Eschmann
Die übertriebene Perfektion der Maschinen beweist die Unzulänglichkeit des Homo Sapiens. Der Mensch ist notwendigerweise unvollkommen, impulsiv, zerstreut und zerbrechlich. So können vollkommen homogene Staaten nicht anders, als das Individuum, dieses kleine egozentrische, ungehorsame, nachlässige Räderwerk zurückweisen. Angesichts dieser totalen Technik erscheint selbst Gott wie ein bärtiger Greis, dem nichts anderes übrig bleibt, als diese himmlische Technik zu überwachen und mit seinem Ölkännchen sein irdisches Räderwerk zu schmieren.
Und so verliert das Vorwort sein Nachspiel, denn immer noch gibt es keine Schreibmaschine für Vorworte, oder besser noch, für (Vor-)witz.
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© Sarreguemines Museum 24.02.2000
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